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Ein Airbrush-Workshop bei Georg Huber

Wer mich kennt, weiß, dass ich künstlerisch nur eingeschränkt begabt bin: Malen gehört zu den Tätigkeiten, bei denen ich versage. Es frustriert mich unglaublich, wenn ich schon bei dem Spiel Acitivity an meine Grenzen stoße. Ich habe das Bild vor Augen, in jeder Einzelheit und bin völlig überzeugt, dass ich es genau so zu Papier bringe und allen Ratenden beim ersten Bleistiftstrich klar ist, was ich darstelle. Leider werden nicht mal die einfachsten Tiere erraten, und ich schaffe meine Herausforderung nur, wenn ich die Begriffe aufteile – in einfachste Strukturen. Erklären liegt mir einfach mehr – also eben Text. 

Mein Mann und mein Sohn dagegen sind dagegen meiner Ansicht nach begabt. Sie haben den Blick für die Umsetzung und realisieren es dann auch entsprechend. Deswegen habe ich ihnen zum vergangenen Weihnachtsfest einen Airbrush-Workshop bei Georg Huber geschenkt. Realisiert wurde dieser dank Corona erst jetzt, kurz vor dem nächsten Fest. Georg Huber ist ein begnadeter und bekannter Airbrush-Künstler und, da er auch Bücher zu seinen Werken und Reisen veröffentlicht, ein liebgewonnenes Mitglied bei den Rosenheimer Autoren – ebenso wie seine Frau, die Musikerin und Texterin Sabine. Die Runde in Georgs Atelier in der Nähe von Rosenheim, war klein, der Workshop fand unter 2G-Voraussetzungen mit Abstand, Lüften und Co. statt. Der Holzofen wärmte den Arbeitsplatz, ein gemütliches Ambiente inmitten eines herbstlich-nebligen Novembertages. Ich war als Zuschauerin anwesend, neugierig und mir meiner künstlerischen Schwäche bewusst.

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Da ich Georgs Bilder, vor allem die fantastisch-mystischen Motive liebe, durfte ich in den angrenzenden Räumen schnuppern und die entstehende Ausstellung bewundern.

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Georg erklärte den Anfängern die Technik, von der vorsichtigen Handhabung des Luftpinsels, der filigranen Sprühpistole bis zum nötigen Druck des Kompressors. Es wurden Farbvarianten und Schablonen besprochen und ausgesucht. Auf einem ersten Blatt machten sich die Teilnehmer mit dem Gerät vertraut, mit dicken und dünnen »Pinselstrichen«. Nun ging es an die erste Schablonenarbeit. Hier verwendet der Künstler alles, was ihm gewissermaßen unter die Finger kommt: von Zahnrädern über Aquariumfiltermatten, Stickmustervorlagen, einzelnen Buchstaben oder eben auch selbst gefertigten Schnittmustern, die für Wolken oder Umrisse dienen. 

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Jetzt ging es ans Über-das-Naheliegende-Hinausdenken: das Motiv war nicht nur zu umsprühen, sondern mit anderen Mustern auszufüllen. Und so schnell wird daraus ein künstlerisches Bild.

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Als ich meinem Mann fragte, ob es nicht schneller ginge, unsere Buchcover per Airbrush zu erstellen, meint er nur selbstkritisch: »Photoshop hat eine Undo-Funktion, die ist nicht unwichtig.« 

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Jetzt begann die Arbeit am eigentlichen Kunstwerk. Georg Huber hat hierfür eigene Schablonen mit Anleitungen, die man in seinem Shop erwerben kann.
Es ging los mit den Bäumen. Sie wurden vorsichtig aus den Papiermasken gelöst, dann sorgte ein Klebeband auf dem Papier für den späteren Passepartout-Effekt. Und nun wurde es schwieriger, als es bei Georg aussah: Farben wurden vorbereitet, gemischt und ein helles Gelb wurde für den Eindruck der Sonne, der über dem ganzen Bild liegt, aus großer Entfernung aufgesprüht. Weit weg ist wichtig, damit die Leichtigkeit bleibt und keine harten Konturen entstehen. Zudem gilt es mit dem richtigen Druck zu arbeiten und zu hoffen, dass die Düse nicht verstopft. Hier gibt es übrigens deutliche Preis- und Qualitätsunterschiede (nicht immer äquivalent).

Es folgten Felsen vor der Sonne, davor weitere Formationen, leicht abgewandelt. Sie entstanden durch fixierte Fetzen von Malerpapier. Nach einer kurzen Mittagpause mit gemütlichem Ratsch und Erfahrungsbericht aus erster Hand ging es an die Einzelheiten, die Baumschablonen wurden ganz unterschiedlich platziert, Farbverläufe gaben die unterschiedlichen Lichtstimmungen wieder. Das Motiv wurde immer mystischer und vielfältiger.

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Nachdenken erforderte die Spiegelung im Wasser. Wieder einfacher war dagegen Aufsprühen des Bootes und die Wellen. Kleine Fehler, die nicht wegradiert werden konnten, retteten Wolken, aufsteigender Nebel, eine Farb- oder Vogelschablone. Nach insgesamt viereinhalb Stunden Arbeit vom Üben bis zum Original waren die Kunstwerke fertig – ein jedes ist ein beeindruckendes Original.

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Meine »Männer«, also Mann und Sohn, waren von der Technik und den selbst geschaffenen Bildern fasziniert. Und vielleicht trau ich mich auch mal irgendwann ... 

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 Für alle, die diese Technik ebenso begeistert wie mich: Georg Huber hat auch ein Buch mit Anleitungen veröffentlicht. Dieses und alle Informationen zum Künstler und seinen Werken sowie die Bezugsmöglichkeiten stehen auf seiner Website

Viel Spaß,
eure Moni

Moderner Lokalkrimi im oberbayerischen Wasserburg

Minnie ist wieder als Ermittlerin gefragt

Betrug an einer Wasserburgerin und ein Mord – das geht gar nicht! Weder für die Krimi-Minnie noch für ihren Freund Alex, der bei der Lösung des Falls eine andere Spur verfolgt und Minnie in die Quere kommt.

Beschreibung

Buchcover "Mords-Goschn"Der Fall: der Hias ist verzweifelt – die Liebe seines Lebens ist verschwunden! Die abenteuerliche Suche führt Minnie in Maisfelder und auf Datingportale.

Ihr Steckbrief: neugierige Lebenskünstlerin mit kriminalistischer Spürnase 

Auch wenn im dritten Band der humorvollen Reihe niedliche Alpakas eine Rolle spielen, ist dieser Fall alles andere als erfreulich. Denn düster sieht es nicht nur bei den neuen Mietern im Laden aus, sondern auch für Minnies Freund Alex. Und was wird er zu Minnies Abstecher in die Datingszene auf love-is-all-around-you.com sagen?


Inhaltsverzeichnis

  1. Die Stimme
  2. Laden gesucht
  3. Alpakas und schwarze Messen
  4. Entsetzen im Maisfeld
  5. Love-is-all-around-you.com
  6. Mords-Goschn
  7. Fäden und Knoten
  8. Minnie übernimmt
  9. Farben am Horizont
  10. Krimi-Minnies vierter Fall
  11. Hintergrundinfos
  12. Habt ihr eine Minute Zeit?
  13. Bairisch-hochdeutsches Glossar
  14. Karte von Wasserburg


Leseprobe

Wasserburg am Inn im Oktober

Die Schmerzen werden unerträglich, sie ziehen durch meinen Mund, über mein ganzes Gesicht und bringen mich zum Schwitzen. Wann ist die Behandlung endlich zu Ende? Ich putze meine Zähne doch vorbildlich, esse Süßes nur in Maßen und spüle sogar nach dem Kaffee den Mund aus, damit ich mein weißes Lächeln behalte. Trotz der etwas schiefstehenden Eckzähne. Woher kommt also bitte schön das Loch beziehungsweise die kariöse Erkrankung meines Zahns?
Ich will raus aus diesem Stuhl, aber der Zahnarzt hört nicht auf zu bohren. Seine Augen hinter der Plastikscheibe, die ihn vor Wasserspritzern, dem schlechten Atem seiner Patienten und vermutlich Schlimmerem schützt, werden immer größer und runder. Dann beginnen sie rot zu glühen. Ich fange an, um mich zu schlagen, doch ich bin an den Behandlungsstuhl gefesselt. Das Bohrgeräusch wird noch durchdringender, und ich schreie nun wie am Spieß.
Da höre ich Georges wütendes Gebell. Mein heldenhafter Hund ist gekommen, um mich zu retten. Ich schaffe es, die Fesseln zu lösen und aus dem Stuhl zu krabbeln, während George den Zahnarzt, den ich bisher sehr nett und kompetent fand, in Schach hält.
Seltsamerweise hört das Kreischen auch auf der Gasse draußen nicht auf. Ich spüre Georges nasse Zunge auf meiner Hand und … wache auf. Die Zunge ist an meiner Hand beschäftigt, vermutlich ist da jede Menge feines Salz zum Abschlecken, denn ich schwitze heftig nach diesem Traum. Dass ich einen Alptraum hatte, ist mir klar, als ich mein wild blinkendes Handy sehe und höre. Bin ich für Alpträume vom Zahnarzt nicht zu alt und abgeklärt, frage ich mich, während ich leicht verstört den Anruf entgegennehme.
»Ja?« Es ist drei Uhr morgens! Wer will da etwas von mir?
»Minnie, hier ist der Gerhard.«
»Gerhard, es ist mitten in der Nacht. Was ist denn los, um Himmels Willen?«
»Es wär besser, wenn du zum Galaxy kommst.«
In der Disco Galaxy auf dem Grundstück neben dem Freizeitbad Badria war ich ewig nicht mehr beim Tanzen. Das mache ich nur noch spontan auf Feiern, wenn eine gute Band spielt. Da kann es schon mal sein, dass ich mit meiner Freundin Toni auf der Bierbank stehend die Stimmung im Zelt anfeuere.
»Wieso? Ich hab geschlafen und will jetzt nicht in die Disco.«
Er lacht mich glatt aus – mitten in der Nacht, nachdem er mich aufgeweckt hat. Das erbost mich. Aber so gerädert wie ich mich fühle, fällt der Ausdruck der Verärgerung etwas schwächlich aus.
»Dank deinem Anruf hatte ich einen Alptraum, Gerhard.«
»Oder mein Anruf hat dich davor gerettet, noch Schlimmeres zu träumen«, meint er, was nicht ganz von der Hand zu weisen ist. Denn möglicherweise saß ich bereits davor auf dem geträumten Behandlungssessel.
»Kannst du kommen und den Alex holen?«
Jetzt sitze ich aufrecht im Bett.
»Alex ist eigentlich aus dem Alter raus, wo man ihn von der Disco holen muss. Ist ihm was passiert?«
»Na ja, er hat randaliert. Wenn du ihn holst und auf ihn aufpasst, dann muss ich ihn ned einkasteln.«
Was? Mein vernünftiger Freund, der Banker, randaliert? Das hab ich ja in den fünf Jahren seit wir ein Paar sind, nie erlebt. Dass er und Basti zu Hause mal versuchen, sich gegenseitig mit Whiskey unter den Tisch zu trinken vielleicht. Aber randalieren oder prügeln? Niemals!
»Der Alex randaliert doch nicht, Gerhard. Da stimmt was ned. Ich mach mich auf den Weg.«
Bloß womit?
»Kann er auf die Vespa drauf, oder fällt er mir runter?«
»Wenn du ihn festbindest, könnte es gehen. Sagen wir mal so: Ein Auto wäre sicherer.«
Na wunderbar. Ich fahre so selten Auto, dass ich ernsthaft überlege, mir ein Taxi zu rufen. Aber alle Wasserburger Taxis sind am Samstag in der Nacht bis zum frühen Morgen wie wild unterwegs, um alle Kids oder sehr Junggebliebene heimzubringen.
Ich schnappe mir den Schlüssel von Alex’ Wagen vom Schlüsselbrett an der Tür und bemerke gerade noch rechtzeitig, dass ich besser die Schlafanzughose mit den Kätzchen gegen eine Jeans wechseln sollte.
Mein Hund schaut mich verstört an, als ich mir eine Jacke über das Schlafanzugoberteil werfe.
»Braver George. Bleib hier, ich bin gleich wieder da«, versuche ich, ihn zu beruhigen. Vermutlich ahnt er, dass ich noch nicht ganz bei mir bin, denn er besteht darauf, mich zu begleiten. Zumindest bis zum Auto. Glücklicherweise bin ich heute in Alex’ Wohnung, deshalb habe ich nicht weit bis zum Wagen, der in der Tiefgarage steht. Es ist kein fetter Mercedes, aber leider auch kein kleiner Wagen. Und es gibt verdammt viele Säulen hier unten, auf die man beim Ausparken achten muss.George setzt sich ans noch geschlossene Tor und beobachtet mich misstrauisch. Kluger Hund, der nicht bei mir einsteigt!
Anlassen – erledigt, Licht an – check, funktioniert, Rückwärtsgang – ist praktischerweise schon drin. Langsam fahre ich an und schlage ein. Es piepst ohrenbetäubend, weil die Säulen immer näher rücken. Ich wiederhole laut und unaufhörlich das Mantra »in den Spiegel schauen« so lange, bis ich den ersten Gang einlege und auf das sich nun öffnende Tor zufahre. George saust hinaus und ist in der Dunkelheit verschwunden. Ich schleiche die Neustraße hinauf, die ist so eng, wenn da Autos parken. Weiter geht es: einen großen Schlenker nach links um die Verkehrsinsel herum, an der Burg vorbei und die noch engere Schmidzeile hinunter. Rechts abbiegen und auf mein Angsthindernis zu: das Brucktor. So schlimm ist ansonsten nur die Brücke in Rosenheim für mich. Und da bin ich nur Beifahrer. Ich bin nicht der einzige Schisser, wenn es um das Durchqueren des Brucktors angeht. Es ist zu eng für zwei Autos, finde ich. Und je nachdem wie höflich der Gegenverkehr ist, kann ein ungeübter Autofahrer da schon mal länger stehen. Bis ihn das Hupkonzert der sich hinter ihm stauenden Wagen dann hindurch treibt.
Nachts um drei ist das kein Problem, die zwei Autos kann ich leicht abwarten und, nachdem ich ihnen höflich die Vorfahrt gelassen habe, entspannt hindurchfahren. Vielleicht sollte ich öfter mal nachts fahren üben? Nun ist das Schlimmste geschafft, in wenigen Minuten bin ich an der Disco. Ich zische die Allee hinauf und lege vor dem Kreisel gerade noch den zweiten Gang ein, bevor ich mit den Alufelgen (wieder) am Bordstein lande, weil ich die Kurve nicht schaffe. Kreisel Nummer zwei naht, und damit bricht um mich herum die Hölle los, denn hier ist die Einfahrt vom McDrive. Und alle Discogänger haben Hunger! Ich spüre, wie sich Schweißtropfen auf meiner Stirn bilden. Überall Menschen, mehr oder weniger besoffen, die vor mir über die Straße laufen. Dazwischen besorgte Eltern, die aus dem Auto heraus nach dem Nachwuchs spähen.
Wohin ich muss, erkenne ich schnell an den Blaulichtern auf dem Volksfestplatz. Ich parke direkt neben Gerhards Polizeiwagen ein. Als ich aussteige, winkt dieser mir zu und macht die hintere Wagentür auf. Ich sehe Alex auf dem Rücksitz sitzen, den Kopf in den Nacken gelegt, seine Augen sind geschlossen. Ist das getrocknetes Blut an seiner Schläfe? Mir wird ganz anders. Was ist da nur passiert? Ich knie mich vor ihn auf den Einstieg und fasse nach seiner Hand.
»Alex, Hase? Wie geht es dir?«
Er öffnet die Augen. Also eines, denn das andere ist zugeschwollen, da hat er einen ordentlichen Schlag kassiert.
»Minnie, du bist da? Das ist toll.«
Das klingt auf jeden Fall nicht nüchtern. Könnte aber auch eine Gehirnerschütterung sein.
»Sollte er nicht zu einem Arzt?«, frage ich Gerhard besorgt.
»Er hat sich gewehrt. Ich hätte ihn nur mit Handschellen einliefern lassen können oder auf die Wache bringen. Das kann ich immer noch, wenn dir nicht wohl bei der Sache ist, Minnie«, meint er ernst, entgegen seiner sonstigen flapsig-respektlosen Art mir gegenüber. »Ich kann hier nur nicht weg, bis die Kollegen aus Rosenheim kommen. Wir haben ein paar weitere Lädierte und müssen die Personalien aufnehmen. Sonst hätte ich ihn dir schnell runtergefahren.«
Das ist echt lieb von ihm!
»Das passt schon, Gerhard. Vielen Dank, dass du mich angerufen hast und mich ihn mitnehmen lässt.«
Das ist keine Selbstverständlichkeit, das weiß ich. Er winkt jedoch ab und sieht unruhig aus.
»Ich kenn euch ja, Minnie. Aber Alex hat heute eine ganz neue Seite gezeigt. Ich wusste gar nicht, dass der so ausrasten kann.«
»Das hab ich bisher auch nicht erlebt. Mal schauen, ob er morgen noch weiß, was der Grund war.«
»Er hat einen der Kerle besonders auf dem Kieker gehabt. Sagt dir Sepp Hohenwarter etwas?«
»Ja, das ist ein ehemaliger Fußballspezl, der ein bisserl abgehoben ist. Macht sein Geld in der IT-Branche. Viel Geld. Und Alex heißt die Methoden nicht gut. Doch das ist nichts Neues.«
Gerhard nickt nachdenklich, dann verabschiedet er sich und schlendert zu den Kollegen, die im Polizeibus ein paar Leute sitzen haben und diese befragen. Vorsichtig helfe ich Alex, in sein Auto zu steigen. Es geht ihm alles andere als gut, was leicht zu erkennen ist, denn er sagt kein Wort, als ich mich hinters Steuer klemme. Und er schweigt beim Fahren. Ebenfalls ein Novum, weil es normalerweise immer eine kleine Anmerkung gibt, wie »Minnie, weich doch bitte den Gullydeckeln besser aus!« oder »Huh, das war knapp!« oder auch »Halt mehr Abstand, falls ein Stein von dem Laster vor uns fällt!«.
Wir kommen heil in der Parkgarage an, wo George, wie ich meine, mit besorgtem Gesicht auf uns wartet. Der Lift, den ich sonst nie benütze – denn Frau will ja knackig bleiben – ist heute Gold wert. Alex lässt sich von mir ausziehen, ohne eine einzige schlüpfrige Bemerkung – es geht ihm wirklich überhaupt nicht gut – und stöhnt nur etwas, als ich ihm das Blut vorsichtig mit einem feuchten Tuch abtupfe. Er hat neben dem blauen Auge eine Platzwunde am Wangenknochen. Die Nase ist dick, ich hoffe, sie ist nicht gebrochen. Ich reiche ihm eine Schmerztablette, die er brav mit Wasser herunterspült, dann packe ich ihn ins Bett.
»Minnie«, flüstert er mit geschlossenen Augen.
»Ja, Alex?«
»Es tut mir leid.«
»Alles gut, doch auf die Geschichte dazu bin ich gespannt. Aber erst morgen, Hase. Schlaf jetzt.«

Rezensionen

»Spannende Wendungen bei der Minnie: Jetzt ermittelt ihr Freund Alex in Konkurrenz zu ihr. Witzig sind Minnies Erfahrungen in einem Datingportal und in der Gothic-Szene. Und es gibt wieder schöne Tipps für Wasserburg-Fans.«

»Einfallsreich, witzig und mit viel Lokalkolorit«

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Erhältlich als E-Book:

E-Bookversion "Mords-Goschn"

Format: Kindle Edition
ASIN: B09K4FTWST
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Demnächst erhältlich als Taschenbuch: 

Taschenbuchversion "Mords-Goschn" 

Paperback
Verlag: EyeDoo Publishing
Verlagsnummer: 946201
ISBN: 978-3969667323
www.eyedoo.biz 

 

Wo führt die Minnie ihre Leser wieder hin? Ab 27. November könnt ihr es herausfinden.

Wasserburg am Inn ist für mich ein ambivalenter Ort: Mal mystisch und düster, dann wieder sonnenverwöhnt und lebhaft.
Je nach Jahreszeit, Örtlichkeit und den Menschen, die sich dort aufhalten. Jetzt im Herbst noch weit mehr als im restlichen Jahr. Entweder strahlen die meist bunten Häuser mit dem wunderschön gefärbten Laub um die Wette  oder alles versinkt im Nebel.

Tunnel Eisenbahnbrücke WasserburgMinnie-Fans kennen bereits viele Plätze, an denen man die flippige Hobbydetektivin treffen könnte: in den Cafés, Kneipen und Restaurants der mittelalterlichen Stadt beispielsweise. Oder an den Badeseen bei Rott, auf dem Inndamm bei einem Spaziergang oder während einer Führung in den Bierkellern.
Und auch der alte Eisenbahntunnel auf dem linken Bild kam in Band 1 vor. Durch ihn gelangt man von der Altstadt auf den Inndamm, dem man bis nach Attel, Rosenheim oder weiter den Strom entlang folgen kann.

In Attel ist man bereits nach einer knappen Stunde, der Weg ist teils schmal, aber durchaus mit dem Rad befahrbar. Dort kann man beim Fischergust einkehren oder sich die Klosterkirche oben auf dem Berg über dem Inn ansehen. Die Stiftung Attl, eine Einrichtung für Menschen mit Handicap, betreibt hier eine Gärtnerei mit Verkauf von Pflanzen, Obst, Gemüse und allerlei guter Kleinigkeiten.
Will man nicht so weit gehen, kann man nach dem Tunnel nach links abbiegen und folgt dem schmalen Pfad bis zu einer Treppe, die uns ziemlich genau dort rauskommen lässt, wo das zweite Bild entstanden ist: unterhalb der Burg und gegenüber der Michaelskapelle.

In Band 3 führt euch Minnie wieder durch die Stadt, die sie und ich so lieben. Und die Michaelskapelle (Bild unten, ganz links) ist ein wichtiger Handlungsort für die Geschichte der »Mords-Goschn«. Für Nichtbayern: eine Mordsgoschn hat jemand, der viel redet – oder zuviel, möglicherweise ist jede Menge Schmarrn oder Angeberei dabei. Und leise ist der Besitzer oder die Besitzerin einer solchen meist auch nicht. 

Ich habe die zweistöckige Kapelle bei einer Führung von Ilona Picha-Höberth und Irene Kristen-Deliano kennengelernt. Ich sage euch, das ist schon ein Gebäude mit besonderer Geschichte. 

Der Heilige Michael ist der Erzengel, der die Menschen im Leben und im Tod beschützt und ihre Seelen vor Gott führt. Deswegen heißen oft Friedhofskapellen nach ihm.

Der obere und von außen unscheinbar wirkende Kirchenteil, den man in der Schmidzeile am Burgberg betritt, ist normalerweise nur für eine Messe am Namenstag des Heiligen geöffnet. Für das mächtige alte Holztor hat ein kleiner Kreis von Auserwählten einen Schlüssel. 

Von der Burg WasserburgLinks davon führt die Freidhofer-Steige zu dem ganz anderen Kirchenteil hinunter, der dunkel und mystisch zum Gebet einlädt. Hier befand sich das ehemalige Gebeinhaus, zur würdigen Aufbewahrung der Toten, wenn sie im Friedhof zerfallen waren und Platz für neue Dahingeschiedene machen mussten.
Die Kirche war zwischendrin sogar mal im weltlichen Besitz und beherbergte eine Branntweinschenke.
Unglaublich, nicht wahr?

Damals brach man auch die Kirchturmspitze ab. Schließlich erwarb die Corpus-Christi-Bruderschaft den »entweihten« Ort für die Kirche zurück. Nun ist der Raum mit den mystischen Malereien aus verschiedenen Zeiten meist für die Gläubigen geöffnet.

Eine Wasserburgführung bringt mir immer Neues vor Augen und spornt meine Fantasie an. Und ich habe noch lange nicht alle Führungen gesehen. 

Zurück zur Minnie: Ihr könnt sie ab 27. November wieder begleiten auf ihren Ermittlungen quer durch Wasserburg und diesmal auch ins Umland. Ich bin schon gespannt, wie oft ihr den Kopf schütteln werdet, wenn ihr lest, wer und was Minnie ihr Künstlerleben schwermacht und ihr schließlich eine Heidenangst einjagt.

Weiteres zu den Alpakas, die Minnie künstlerisch beschäftigen, findet ihr in dem Blogartikel von meinen Besuch auf einem Alpakahof.

Ich wünsche euch viel Spaß
Moni

 P. S. Die Weihnachtsgeschenksuche startet bei den meisten bald – ich hätte da eine Idee ...

Krimi Minnie3 Monika Nebl 1080 mit Text

 

Lesungstermine 2021:

Hier findet ihr meine Lesungen mit den Kollegen von den Rosenheimer Autoren (bei Interesse bitte beim Veranstalter anmelden):

9. Dezember, 15 Uhr: Café und Kaffeerösterei Martermühle, Assling

6. Dezember, 19 Uhr: Simseeklinik, Bad Endorf (nur klinikintern möglich)

22. November, 19 Uhr: Simseeklinik, Bad Endorf (nur klinikintern möglich)

20. November, 15 Uhr: Vdk Flintsbach-Brannenburg im Mehrgenerationenhaus, Brannenburg (leider wegen Corona abgesagt)

15. September: Caritas Altenheim St. Konrad, Wasserburg

31. August: Caritas Altenheim St. Martin, Rosenheim

25. August: VdK Flintsbach-Brannenburg, Betreutes Wohnen Brannenburg

19. August: Caritas Buchcafé Rosenheim (leider wegen Corona abgesagt)




Neuigkeiten:

Die Krimi-Minnie ermittelt wieder! Teil 3 der Reihe, »Mords-Goschn«, erscheint am 27. November 2021.

Schlagwörter

Zwei Bayern im Norden

Nordstrand
Mein langgehegter Traum war es, mal die Nord- und Ostsee zu sehen. Er scheiterte bisher daran, dass mein Mann lieber in den Süden fährt. In diesem Jahr konnte ich im Juli freinehmen und meinen Mann »rumkriegen«.

Wir planten alles durch: Corona ließ uns die Campingplätze vorbuchen, sonst sind wir da mit unserem VW-Bus eher gerne flexibel.
Samstagvormittag starten wir zunächst nach Amberg, denn eine Mittagspause muss sein, schließlich wollen über 50-jährige Knochen, Muskeln und Sehnen mal bewegt werden.
Wir parken etwas außerhalb und spazieren – beide mit neuen Schuhen, sehr schlau – etwa vier Kilometer durch die Vilsauen in die Innenstadt. Auf der Vils gibt es übrigens Bootstouren, die Geschichtliches rund um die Stadt näherbringen.
Brille Amberg»Die Brille« ist ein Hingucker in Amberg, ebenso die vielen Brücken, Gassen Häuser und Tore.

Da gleich auf dem ersten Platz ein Pub mit einem Whisky-Angebot liegt, kann ich gar nicht so schnell schauen, wie sich mein Mann, der Whiskey-Fan, niedergelassen hat.
Gemütlich in der Halb-Sonne auf Essen und Getränke warten, ist auf jeden Fall ein schöner Reisebeginn. 
Pubbesuch in AmbergNaturcamping















Nach der Stadtbesichtigung machen wir uns auf den Weg zu unserem ersten Campingplatz. Naturcampingplatz bedeutet hier »abgespeckt« aber ausreichend ausgestattet: Sanitäranlagen okay, Strom am Stellplatz und Wasser gut erreichbar, mitten im Wald gelegen, das war’s – da sind 20 Euro in Ordnung. 

Interessant ist das Meeresgeräusch, das uns beim ersten Spieleabend begleitet. Die Erklärung gibt es am nächsten Tag: Windkraftanlagen direkt neben dem Wald – uns haben sie nicht gestört.

Unser nächstes Ziel kennen wir schon von der Reise 2018 und weil es uns dort so gut gefallen hat, eben gleich wieder: Mittagspause mit Badestopp am Senftenberger See.Senftenberger See

Und abends dann der Spreewald: Vor drei Jahren hatte mich die Landschaft mit den weit verzweigten Flussarmen, dem hellen Grün der Bäume und der moorigen Landschaft schon in den Bann gezogen. Bei Lübbenau entstand die Idee zur Sternenflut-Trilogie mit meinem zaubernden Flusshändler Cassian.
Diesmal ist Lübben unser Ziel.  Der schöne Campingplatz liegt direkt an der Spree, man trägt sein Kajak (seit damals besitze ich ein eigenes aufpumpbares, aber hochwertiges Boot) ans Ufer und setzt ein. Ich muss zugeben, dass ich Lübbenau als schöneres Paddelgebiet empfinde – kleinere Flusswege mit mehr Schleusen. Aber auch die Umgebung von Lübben hat ihren besonderen Reiz. SpreewaldWir paddeln einige Stunden über die Hauptspree dahin und wählen einmal einen bezaubernden Seitenarm. Eine Mittagspause auf einer Wiese nutzen wir zur Erholung. Leider ist uns kein strahlender Sonnenschein vergönnt, der diese Landschaft zum Glitzern und Leuchten bringt. Viele Wolken begleiten uns, immerhin kein Regen.
Der Zauber hat uns dennoch wieder gepackt. Der Spreewald ist auf jeden Fall eine Reise wert. Wir bleiben zwei Nächte, was sich für den Zeltaufbau rentiert, den wir mittlerweile in einer halben Stunde hinbekommen.

Wir überlegen uns, die nächste Mittagspause am Müritzsee zu machen, den wir ja auch schon besucht hatten. Leider ist dies genau die Zeit der großen Regengüsse an dem Tag, also gibt es die Brotzeit – ohne Bier – auf die Schnelle am Waldrand, bevor die Scheibenwischer mit Höchstgeschwindigkeit ackern und wir uns Richtung Norden davon machen.

Ich hätte so gern alle Städte auf unserer Strecke angesehen und mehr: Rostock, Stralsund, Lübeck, Schwerin ...
Aber dafür sind 14 Tage einfach zu kurz. Wir lassen Rostock also einfach links liegen und kommen am Nachmittag in Dienhagen an der Ostsee an. Hier heißt es für mich erst einmal einen Coronatest absolvieren. Ich war seit Februar für eine Impfung angemeldet, die erste bekam ich dann endlich Ende Juni, die zweite steht leider erst für nach der Reise auf dem Terminplan. Das bedeutet in diesem Sommer, dass ich mich bei jedem Campingplatz in einem neu angefahrenen Bundesland testen lassen muss. In Dienhagen scheint mir dann zumindest beim Warten endlich einmal die Sonne ins Gesicht. 2021 07 21 08 32 31 Mi 9 SE 08 Ost und Nordsee 512Eine halbe Stunde später parken wir im Campingplatz an den Sanddünen. Auto absperren und nichts wie rüber über den Holzweg und die Ostsee sehen. Riechen ist hier im Gegensatz zum Mittelmeer nicht möglich, dessen Salzgeruch man ja oft Kilometer zuvor schon in der Nase hat. Die Ostsee hat einen sehr geringen Salzgehalt. Wir nutzen die Sonne und bleiben am Wasser, den Zeltaufbau für die nächsten drei Nächte verschieben wir auf später. Das Grillen auf den nächsten Tag, es gibt die Pizza vom guten, campingplatzeigenen Italiener.

Da wir immer unsere Räder dabei haben und auch gerne so Stadtbesichtigungen unternehmen, machen wir uns am nächsten Tag auf den Weg Richtung Fischland-Darß-Zingst Darß-Zingst. Wir und Hunderte anderer Radfahrer sind unterwegs, um den Strand und die Orte in der Nähe des Naturschutzgebiets anzusehen. Die Buden mit Fischbrötchen merkte ich mir für den Rückweg vor. Schließlich erreichen wir den Hafen Ahrenshoop/Althagen. Die ursprünglichen aus Holz gebauten Fischerboote starten von hier aus noch zum ursprünglichen Zweck, aber auch zu Touristenrundfahrten auf den Bodden, die Lagune, die an der schmalsten Landstelle nur wenige hundert Meter von der Ostsee getrennt ist. In Wustrow am Strandbad holen wir uns dann unser Mittagessen, das wir an einem Radrastplatz gemütlich verspeisen, bevor wir uns an den Strand aufmachen.

Leider wird nun das Wetter schlechter. Mein Mann ist am Abend beschäftigt, das Zelt neu an den Boden zu tackern – wir merken schon: Unsere Metallheringe sind zwar für den Boden in Kroatien geeignet, aber nicht für den hiesigen Sand. Doch der Sturm hält sich in Grenzen, das tägliche Rummikub-Turnier findet eben heute im Zelt statt.
Spannend an diesem Campingplatz sind die Duschen. Vier Minuten Duschen zählt auch die Zeit, in der das Wasser nicht läuft: Blöd für den Mann, der sich rasieren wollte. Oder der Automat nimmt das Geld und gibt keine Duschmarke her. Oder bei den Damen kommt nur heißes Wasser aus der Leitung und es heißt Verbrennen oder Shampoo drauf lassen.

Möwen an der Ostsee
Wir stellen fest, dass ein Bad in der Ostsee auch bei Regen und Sturm nicht kalt ist und ignorieren die Duschen bis zur Abfahrt. Am nächsten Tag haben wir Glück, es ist ein sonniger Traumtag: Wir verbringen ihn im Windschutz hinter unserer Strandmuscheln, die noch aus den Zeiten unserer damaligen Kleinkinder stammt.
GespensterwaldDoch bald heißt es Abschied nehmen. Es geht über den Gespensterwald von Nienhagen, den wir mit dem Rad durchfahren, bis zum Küstenbad Heiligendamm, das mich enttäuscht. Es wirkt auf mich weniger mondän, sondern einfach nur überteuert.

HolstentorRathaus Lübeck

















Am Spätnachmittag parken wir am Altstadtrand von Lübeck. Diese Stadt und natürlich das Holstentor finde ich wunderschön. Es gibt hier Häuser, wie ich sie noch nie gesehen habe. Das Rathaus hat zwei völlig verschiedene Fronten an der Vorder- und Rückseite. Es enthält die Teile aus den verschiedenen Baustilen wie Romanik, Gotik und Renaissance.
Auch hier haben wir zu wenig Zeit, denn es liegen noch 200 Kilometer mit gedrosseltem Tempo vor uns. Ich hätte mich hier gern vor eines der hübschen Bistros gesetzt und in Ruhe getafelt. Aber alles geht eben nicht.

Es folgt ein Ausflug nach Eckernförde, also wieder rüber zur Ostsee, allerdings nur an den Strand, weil kilometerlanger Stau den Spaß an einer Ortsbesichtigung nimmt. Wir baden, ich sammle Steine, und abends gönnen wir uns einen Luxusburger mit Blick auf die Bucht (Förde).
Ostsee am Abend
Am nächsten Tag machen mein Mann und ich nochmals einen Ausflug an die Ostsee, wir wollen einen »typischen« Ort sehen, nachdem Eckernförde ja nicht zur Verfügung stand, und wählen Flensburg, wo ich auch das erste Mal dänisch höre. Es sind nur noch etwa 20 Kilometer zur Grenze, so weit nördlich war ich noch nie! Flensburg

Auch diese Stadt gefällt mir gut und nach einem chinesischen Mittagsnack, versuchen wir es noch mit Baden an der Förde, aber ein Gewitter macht uns einen Strich durch die Rechnung.

Statt dem Hafen von Flensburg seht ihr hier den hübschen Oluf-Samson-Gang.

Jetzt geht es nach dem Frühstück am Deich entlang bis nach Dagebüll zur Fähre nach Amrum. Ich habe noch nie so viele Fahrräder auf einer Fähre gesehen, so viele Tagestouristen, denn die Insel ist ja nur etwa zwölf Kilometer lang. Einige Radler treffen wir später auf dem Campingplatz wieder. Wir sehen gleich nach der Ausfahrt aus dem Hafen auf einer Sandbank Robben – denn es ist Ebbe – und später Schweinswale, das ist ein kleiner Verwandter des Delfins.

Weg an die NordseeUnd nun kommen wir auf eine Insel, deren Eindrücke ich wahrscheinlich für immer im Herzen tragen werde: Amrum. Zunächst will man uns allerdings am Campingplatz nicht in Richtung Dünen lassen, sondern auf dem Hauptparkplatz unterbringen. Wofür haben wir reserviert? Wir sind so weit gefahren und jetzt das! Aber die Betreiber finden ein Plätzchen für uns, das passt so gut, dass wir zwischen Wohnmobilen quasi verschwinden. Jetzt wissen wir auch, wohin die Myriaden von Radlern von der Fähre verschwunden sind. Die Drahtesel stehen hier geparkt, die Fahrer zelten zwischen den Sandhügeln wie in kleinen Kolonien, Familien mit kleinen Kindern trotzen Wind und Wetter, sie sind entsprechend ausgerüstet, ihre Zeltheringe sind die richtigen. Wir stellen den Bus ab und dann wandern wir und wandern wir und wandern wir auf den Holzstegen durch die Dünen bis zur Nordsee und sind sprachlos: über die Weite, die Schönheit, die Dünen, den Sand, die Muscheln und wieder über die Weite.


Nach einem wunderschönen nächsten Tag mit Radtour quer über die Insel lösen wir abends den Weihnachtsgutschein unserer Kinder – verschoben durch Corona – ein und fahren mit dem öffentlichen Bus nach Norddorf zum Candlelight Dinner.Norddorf oder Nebel Kerzen gibt es zwar nicht, aber ein hervorragendes Essen. Candle Light dinnerWenn ihr da mal hinkommt: Im Hotel Hüttmann das Krabbensüppchen probieren.
Die Preise können sich allerdings auch sehen lassen. Aber wir genießen ja unsere Einladung und sind unseren Kindern sehr dankbar für dieses besondere Erlebnis.

Nach langem Hin und Her – die Wettervorhersage steht auf Sturm, aber das tut sie schon die ganze Zeit, ohne es wahrzumachen – beschließen wir zu verlängern – auf Kosten einer gemütlichen Heimreise.

Leider weiß Petrus unseren Optimismus nicht zu schätzen. Der Sturm in der Nacht kann sich sehen lassen, unser Schlaf nicht, mein Mann ist viel draußen und spannt nach und hämmert.
Am nächsten Morgen bauen wir in einer Regenpause das Zelt ab, waschen die Plane auf dem überschwemmten Weg und verpacken alles wasserdicht auf dem Dach für die Heimreise. Im Inneren unseres Vehikels schaut es furchtbar aus. Ich hasse diese Unordnung, aber immerhin kommen wir mal zum Lesen, das erste Mal in dieser Reise. Und mit Stirnband und Regenjacke am Strand zu spazieren, geht ja immer. Ein Sturm dort oben ist zwar heftig, aber nicht so deprimierend wie in Bayern, wo er ja oft mit tage- oder wochenlangem Dauerregen verbunden ist.
Leuchtturm im SturmDenn die Weite ist auch dann positiv beeindruckend. Dünen nach dem Sturmregen
Aktuell haben wir die Schnauze voll vom Zelten und schauen neidisch zu den Nachbarn, die das Geschehen in ihren Wohnmobilen ganz lustig finden.
Der letzte Tag auf der Insel ist wieder mit Sonnenschein verbunden, aber der Wind ist zu kalt, wenn man nicht den perfekten Schutz hat. Und sogar die Dünen mit dem Dünenhafer oder -roggen sehen nach dieser Nacht zerzaust und durchnässt aus.


Dann müssen wir zur Fähre, die am Nachmittag Richtung Festland startet. Ich habe tatsächlich einen kleinen Kloß im Hals, denn ich würde wirklich noch gerne bleiben.
Leider nähert sich die Reise ihrem Ende so schnell, wie das Festland mit seinen Windparks herankommt. Man könnte mal ein Quiz starten, in dem man je nach Anzahl der Windkraftanlagen, die in einem Gebiet zu sehen sind, auf die Nord-Süd-Lage in Deutschland tippt. Südlich von München eines!, in der Mitte Deutschlands bis zu 20 am Stück, im Norden weit darüber. Das ist schon beeindruckend anzusehen. nd 1921 1024px
Trotz der Wehmut genieße ich es wieder, unterhalb des Deichs entlang zu fahren, mit Blick auf die vielen Vögel und Schafe im Vogelschutzgebiet des Hauke-Haien-Kooges.

AutobahnparkplatzWir schaffen es ohne Stau durch Hamburg bis kurz vor Hannover, wo wir eine Übernachtungsmöglichkeit suchen. Leider fällt mir erst jetzt ein, das ich mich hätte testen lassen müssen.
Wir versuchen, ob wir vor einem Campingplatz draußen stehen bleiben dürfen, werden aber verjagt. Was ist denn mit der Gasfreundschaft für übermüdete Fahrer geschehen?
Wir kommen uns vor wie Maria und Josef bei der Herbergssuche.
Vielen Dank für nichts an den Campingplatz Aller-Leine-Tal, Essel. Schließlich wird es die Autobahnraststätte. Ist auch okay und kostet nichts. Wir sind todmüde, es gibt Toiletten und am Morgen einen Kaffee. Und wenn es drei Jungs in einem Polo schaffen, zu schlafen (ich sehe nur Decken und verwuschelte Köpfe), dann sollte es für uns geradezu fürstlich möglich sein.
Es ist eben immer eine Sache der Perspektive.

Thürniger Meer
Weiter geht es bis zu unserer letzten Mittagspause vor daheim: dem Thüringischen Meer. Das ist vielleicht eine schöne Gegend mit all ihren Stauseen entlang der Saale. Nach einem bisschen Baden und Brotzeiten fahren wir erneut Richtung Süden.

Der erste Stau erwischt uns wie immer bei Ingolstadt wegen der Dauerbaustellen, der zweite, ebenfalls gewohnt, auf der A 99, aber beides in einem Rahmen, der zu verschmerzen ist. Und am Abend kommen wir müde und auch gestresst von einer Reise zurück in unser Haus, das uns nach dem »Hausen« im Bus immer wie ein Schloss vorkommt.

Eine Erlebnisreise? – Auf jeden Fall! Erholung? – Na ja, in Maßen! Reue, weil wir einmal nicht in den Süden gefahren sind? – Nein, sicher nicht, das waren die Eindrücke auf jeden Fall wert! Wunsch für die nächste Zukunft? – Sommer, jetzt – endlich – sofort, Kruzifünferl, es ist Ende August!

Muscheln und Steine aus verschiedenen MeerenSo verschieden wie Nord und Süd sind auch meine Fundstücke der beiden Meere, die wir auf unserer Reise gesehen haben: Rechts die Steine vom Ostseestrand bei Eckernförde und links Muscheln und Versteinerungen aus der Nordsee von Amrum.

 

Der Alpaka-Blog oder "Die Minnie 3 ist auf dem Weg zur Veröffentlichung"

Alpaka NahSie ermittelt, weil sie neugierig und sozial engagiert ist. Das wissen alle Krimi-Minnie-Fans. Ebenso ist bekannt, dass sie sich in jedem ihrer Abenteuer beim Töpfern mit einem Tier beschäftigt, sowie dass im Ladengeschäft im Erdgeschoss ihres Hauses jemand einzieht, der ihr das Leben nicht immer gerade leicht macht.

Ich verrate euch nun Einzelheiten zu Teil 3, der in den nächsten Tagen an die Testleser geht und mit ein bisschen Glück Anfang Dezember veröffentlicht wird.

Den Laden hat Traudl Mayrhofer – nicht so wirklich typisch für sie – an ein Paar vermietet, das Gothic-Mode verkauft.
Könnt ihr euch die Minnie im Sommerblumenkleid vorstellen, wie sie zwischen hauptsächlich schwarzen Gewändern und melancholisch-düsterer Musik in ihre Werkstatt flipflopt?

Dafür hat Minnie nun gerade ein wirklich nett aussehendes Tier als Hauptsujet in ihrem künstlerischen Tun anzufertigen: ein Alpaka. Beziehungsweise viele, denn sie beteiligt sich mit ihren getöpferten Mini-Kamelen an einem Hoffest in der Nähe von Wasserburg.

Wie bin ich auf die Alpakas gekommen?
Nun einmal sind sie ja gewissermaßen ein Hype auch in Bayern. Viele Leute, die sich früher vielleicht einen Hund oder ein Pony gehalten hätten, haben nun Alpakas.

Das Hoffest bei den Chiemgau-Alpakas hat mich natürlich dazu inspiriert, es als einen wichtigen Ort für den dritten Fall der Krimi-Minnie zu wählen.
Bei meiner Recherche an einem Sonntagnachmittag auf dem Hof der Chiemgau-Alpakas habe ich viel über diese hübschen Fellknäuel (wenn sie gerade geschoren wurden, sind nur der Kopf um die riesigen Augen und das andere Ende von ihnen plüschig) gelernt.

Zu den Alpakas ein paar Infos, die ich als ehemalige Pferdebesitzerin sehr interessant fand. Ich bin, was Tiere angeht, kein ängstlicher Mensch – nur eben vorsichtig. Und ich wollte keine Ladung heraufgewürgten Mageninhalt ins Gesicht bekommen. Das tun Alpakas, wie Lamas, nämlich ab und zu. alpakas beim ueberlegenAllerdings nur, wenn sie voneinander gestresst sind, also beispielsweise bei Rang- oder Futterstreitigkeiten.

Ihre weiche und strapazierfähige Wolle wird beispielsweise zu Socken verarbeitet werden.
Die Alpakas eignen sich hervorragend für Therapien. Dazu werden sie auch in der Einrichtung Attl bei Wasserburg eingesetzt. Auf Spaziergängen mit ihnen kann man entschleunigen, denn sie rennen nicht gerne.
Im Ferienprogramm freuen sich die Kinder über den Kontakt zu den Tieren.

Sie grasen auf einer Weide mit phänomenalem Bergblick, halten sich aber auch gerne im Offenstall auf und fressen Heu oder lecken an Mineraliensteinen.
Alpakas und AutorinIhnen auf der Koppel näherzukommen ist gar nicht so einfach, sie sind meist ein wenig scheu.
Und ich habe mehr Respekt vor ihnen als vor einem lebhaften Pferd.
Seltsam, und das nur weil sie einen für mich ungewohnten Körperbau haben, mit dem langen Hals, den dünnen Beinen auf zierlichen Hufen und dem hübschen Kopf mit den großen, meist dunklen Augen.

Ein Hoffest, auf denen man den Alpakas näherkommen kann, ist natürlich etwas Besonderes. Hier wird zudem für die Besucher allerhand zur Unterhaltung, zum Kauf und Verzehr angeboten.

Vielen Dank an dieser Stelle an Edith und Hubert von den Chiemgau-Alpakas für ihre Zeit und die Erläuterungen. Ich habe Szenen aus ihrem Hoffest und ihre Erklärungen in der Minnie 3 verarbeitet.

Die Familie im Buch, die dort vom Mordfall betroffen ist, ist völlig frei erfunden – wie alle meine Personen. Kleine Inspirationen natürlich ausgenommen.


Was gibt es noch zu Teil 3 der Krimi-Minnie zu sagen? getoepfertes alpaka
Natürlich spielen Wasserburger Locations eine Rolle. Minnies Familie und Freunde sind wieder an Bord.

Neu: Diesmal ist Alex die treibende Kraft hinter dem Fall. Einem der Fälle! Und dieser kreuzt sich mit Minnies Ermittlungen in einer anderen Sache. Und was glaubt ihr wohl, was Alex davon hält, dass Minnie dazu einen Account in einem Datingportal braucht?

Ich hoffe, ihr folgt der Minnie in ein weiteres Abenteuer.

Ich würde mich freuen
Moni

 P. S. Solch ein getöpfertes Alpaka kann man übrigens auch über den Hof bekommen. Sie werden in der Stiftung Attl angefertigt, man unterstützt dadurch also auch die Bewohner.

Und hier noch gschwind eine Leseprobe aus Minnie 3 (unlektoriert):

Duft vom Hendlwagen zieht zu uns herüber, ebenso das Gekreische tobender Dreikäsehochs auf der Hüpfburg, die nicht wie ein Alpaka gebaut ist, sondern nach Giraffe aussieht.
Und unten auf der Wiese grasen die Alpakas und schauen ab und zu kauend zum Tumult zu ihren Ehren herauf. Einige sind im Stall geblieben und werden ausgiebig, aber immer unter Aufsicht, gestreichelt.

Alex und ich schauen eine Zeitlang zu, wie anders die Tiere wirken als die mir bekannten Pferde. Kleiner und zierlicher, haben sie trotzdem ein ausgeprägtes Imponiergehabe. In der leergeräumten Scheune spielen zwei Musiker Ziach und Hackbrett, ein Mäderl-Dreigesang singt volkstümliche Musik und es wird eifrig geklatscht. Es geht zwar um Andenkamele, aber die Stimmung ist sehr bayrisch.
Die Seniorenheim-Bewohner stehen an den unterschiedlichesten Ständen, und wir vier versuchen, keinen aus den Augen zu verlieren. Eine Stimme höre ich deutlich heraus: die Kati-Oma. Sie diskutiert über den Preis einer Flasche Aloe Vera-Lotion.
»18 Euro, seid`s narrisch? Das ist der Saft von einer Pflanze, die eh keiner braucht.«
Ich muss grinsen, denn die Kati-Oma lässt sich nichts aufschwatzen, was ihr nicht ihr Hausarzt, den sie heimlich liebt, verschreibt. Obwohl er fünfzig Jahre zu jung für sie ist, ist er ein ernsthafter Konkurrent für Herrn Breitschneider.
Persönlich finde ich Aloe Vera ja sehr angenehm, als Creme oder als Hitzesalbe bei Rückenschmerzen. Aber ich bin auch ein Weichei, wie die Kati-Oma behauptet. Aufs Feld solle ich gehen und Heu auf den Ladewagen schaufeln, da würde mir das Kreuzweh schon vergehen, das ich durch das Gebuckel beim Töpfern und am Computer bekomme. Da mag sie recht haben, aber im heutigen Bayern – außer auf Almwiesen – wird das Heu eben von riesigen Maschinen aufgesammelt und nicht mehr von Menschen. Leider, denn das ist wirklich eine schöne Arbeit – wenn es unter 35 Grad hat, was im Juli bei uns nicht selten ist. Toni reißt mit einer Entschuldigung die Oma vom Stand los, wohingegen ich mir eine Aloe Vera-Flasche besorge.
Endlich ist ausreichend geshoppt, und die Damen und Herr Breitschneider sind bereit für Kaffee und Kuchen, den Regina an den Tisch bringt. Toni und ich haben eine zuckerarme Vorauswahl getroffen, doch es bleiben genug Varianten, damit alle das Gefühl haben, auswählen zu können. Unter dem bösen Blick der Kati-Oma packe ich meine Lotion in meine Tasche. Sie schweigt, aber der Kiefer mahlt, wahrscheinlich lockern sich gerade die dritten Zähne. Und ich werde es irgendwann büßen müssen. Oder ich habe Glück, und sie vergisst mein Vergehen.
»Wenn du und Alex mal durchschauen wollt, Minnie, Basti und ich bleiben hier. Wir haben das vorher schon gemacht. Apropos, bei Annamirl steht ein blaues Alpaka mit weißen Wolken und einem orangefarbenen Schal. Falls das übrigbleibt – was ich nicht glaube – nehme ich es. Falls nicht, kannst du mir auch so eins machen? Das ist zuckersüß.«
»Ja, freilich, Toni.«
Basti wirft die Arme nach oben.
»Noch ein Drum mehr auf der Fensterbank, das ich abräumen muss, wenn ich lüfte. Mei Minnie, deine Viecherl sind echt nett, aber dauernd im Weg bei uns.«
»Bau ihr halt ein hübsches Regalbrett an die Wand, wo sie Deko draufstellen kann. Eine Frau braucht das.«
»Du meinst, indem ich Schrauben an die Wand bohre?«
Der typische Witz, bei dem sich unsere Männer kaputtlachen. Toni und ich können wirklich mit Werkzeug umgehen. Leider hat sie sich ein einziges Mal falsch ausgedrückt, als sie etwas an die Wand »bohren« wollte, seitdem ist das der Running Gag bei Basti und Alex.
»Wenn wir beide immer über den gleichen Witz lachen würden, seit Jahren, fänden sie das dann auch lustig? Oder würden sie uns als einfach gestrickt und wenig einfallsreich abtun?«, überlege ich laut. Toni grinst.
»Letzteres! Aber bei Frauen liegt die Messlatte höher, also sieh es ihnen nach. Männer brauchen das Gefühl, den Witz zu kennen. Neues macht ihnen Angst.«
»Oder sie können es sich nicht merken«, füge ich hinzu, denn Alex’ schlechtes Namens- und Sprüchegedächtnis ist legendär im Freundeskreis. Wenn er sich nicht konzentriert, bringt mein Hochschulabsolvent einen Mix aus schlauen Sprüchen, der Anwesenden einen schmerzhaften Lachkrampf beschert.
»Ich bin nicht der Typ, der sein Terrarium absteckt« ist nur einer davon.

Moderner Lokalkrimi im oberbayerischen Wasserburg

Wasserburg leuchtet – und auch Minnie geht ein Licht auf

 Minnie liebt Stadtführungen, und diese in den Bierkatakomben ist etwas ganz Besonderes …

Bierkatakomben Wasserburg

Beschreibung

Buchcover "Mords-Kaliber"

Der Fall: ein ermordeter Jäger in den Bierkatakomben
… und damit ist die »Krimi-Minnie« wieder in ihrem Element, als bei einer Führung in Wasserburg die Leiche entdeckt wird.

Ihr Steckbrief: neugierige Lebenskünstlerin mit kriminalistischer Spürnase 

Im zweiten Band der humorvollen Reihe geht Minnie in dunklen Bierkellern auf Mörderjagd. Bisher hat sie immer »Schwein g'habt«, doch diesmal liegt arg viel Blei in der Luft. Dabei denkt sie nur an eines: Warum macht sich Freund Alex so rar?


Inhaltsverzeichnis

  1. Nicht ganz allein im Wald
  2. Laden zu vermieten
  3. In den Katakomben
  4. Techtelmechtel mit Folgen
  5. Schweinderl allüberall
  6. Gewehr und Hund bei Fuß
  7. Lose Schrauben
  8. Minnie geht ein Licht auf
  9. Jägerehre
  10. Alpakas und Rumpelstilzchen
  11. Krimi-Minnies dritter Fall
  12. Backgroundinfos
  13. Habt ihr eine Minute Zeit?
  14. Bayrisch-hochdeutsches Glossar
  15. Weitere Bücher und Leseproben


Leseprobe

Laden zu vermieten

Wasserburg am Inn im August

Mir ist kalt. Es riecht nach Moder und überfluteter Stadt. Ja, in Wasserburg kann man das tatsächlich in manchen Häusern und Kellern riechen. Denn immerhin hatten wir in den vergangenen Jahrhunderten so einige Überschwemmungskatastrophen.
Die Lampe an der nur grob behauenen Mauer funktioniert nicht – mal wieder. Ich aktiviere meine Handylampe und suche mir vorsichtig meinen Weg zwischen undefinierbarem Gerümpel, einem alten Fahrrad ohne Räder und labbrigen Kartons. Vermutlich geht von denen der Muffelgeruch aus. Plötzlich fahre ich zusammen und halte den Atem an.
Etwas Dunkles baut sich am Ende des Ganges auf. Dort, wo sich mein Kellerabteil befindet. Es scheint auf mich zu warten, hält still und lauert. Hätte ich nur meinen neuen Mitbewohner dabei. Aber mein Hund George ist ebenso selbstständig wie ich und sonnt sich sicher gerade lieber vor dem Café Schranne anstatt seinem Frauchen beizustehen. Ich schlucke und gehe unwillkürlich einen Schritt rückwärts. Und noch einen und einen weiteren, bis ich an etwas stoße, das eben noch nicht da war.
In der nächsten Sekunde löse ich Jamie Lee Curtis als Scream Queen ab. Ich weiß allerdings nicht, ob ich nach vorne oder hinten fliehen soll. Durch mein Kreischen hindurch registriere ich, dass mich jemand festhält. Ich beginne, um mich zu schlagen, mit dem Erfolg, dass ich mich nicht mehr bewegen kann. Dann dringt eine Stimme in mein Bewusstsein, die ich kenne: »Verdammt, Minnie. Hör auf, die Verfolgte im Kettensägenmassaker zu spielen. Ich bin es nur.« Dieser letzte Satz lässt mich gleich noch einmal kreischen, während ich mich umdrehe. Diesmal vor Wut. Hat Alex eigentlich noch alle Tassen im Schrank, mich so zu erschrecken? Er nimmt seine Hände von mir und hält sich stattdessen die Ohren zu. Zitternd starre ich ihn an. Also den einen dunklen Umriss, von dem ich jetzt weiß, dass es mein Freund ist. Mein Handy liegt am Boden und leuchtet schräg von unten herauf, was Alex’ Gesicht einen dämonischen Zug verleiht. Zögernd schaue ich mich um. Da – am Gangende – steht nach wie vor das viel größere Dunkle. Und wenn Alex schon mal da ist ...
Der entfernt vorsichtig seine Hände von den Ohren. »Fertig mit dem Geschrei?«
»Du hast mich zu Tode erschreckt«, erwidere ich heiser, während er mein Handy aufhebt und es untersucht.
»Sieht noch funktionstüchtig aus.« Er reicht es mir, und ich leuchte ihm unhöflich ins Gesicht. Ah, ein bisschen schlechtes Gewissen ist da.
»Warum bist du eigentlich rückwärtsgegangen, Minnie?« Ich zeige den Gang hinunter. »Deshalb!«
Er runzelt die Stirn, dann versucht er, das Licht einzuschalten. Ich erkläre, weshalb ich hier im Dunklen rumzittere und kreische. »Geht nicht, ich muss die Birne erneuern. Kannst du erkennen, was das ist? Ich habe da nichts hingestellt.« 
»Schauen wir halt nach«, meint Alex, der Eben-noch-Schocker und jetzt wieder mein Held. Als ich kurz zögere, nimmt er meine handyfreie Hand und sagt: »Komm mein Angsthäschen, leuchte uns den Weg.« Ich verkneife mir eine zickige Antwort, denn ich bin ja ehrlich froh um seine Begleitung. Dabei bin ich kein Angsthase! Eigentlich.
Aber mein Held hat mich gestern gezwungen, einen gruseligen Fantasyfilm anzugucken. Nicht einfach mit Kopf abhacken wie in »Herr der Ringe«. In dem Film wurden mit einer latent boshaften Grausamkeit Elfen abgemurkst. Ich gucke die weiteren Folgen nicht! Elfen sind Wesen des Lichts (außer die Dunkelelfen natürlich). Und deshalb liebe ich sie. Auf jeden Fall hat mich der Film Schlaf und Nerven gekostet. Da kann Alex heute in seine Wohnung gehen, wenn er den weiterschauen will. Ich bleibe hier – ohne fernzusehen. Oder ich gehe sicherheitshalber mit – ebenfalls ohne fernzusehen. Da ist ein Spielabend als psychische Wiedergutmachung angesagt, mein Freund. Aber das fordere ich erst, wenn wir uns wieder im hellen Sonnenschein befinden. Wir nähern uns dem Gebilde und meinem Kellerabteil.

Rezensionen

»Ob auf Mörderjagd im Wald oder in den Wasserburger Bierkellern, ob Liebeskummer und Racheschwur – mit der Krimi-Minnie wird’s garantiert nicht langweilig!«

»Ein ›sauguter‹ Roman voller brenzliger Situationen und mitreißendem Herzschmerz.«

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Erhältlich als E-Book:

E-Bookversion "Mords-Kaliber"

Format: Kindle Edition
Dateigröße: 625 KB
ASIN: B094P13TLB
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Demnächst erhältlich als Taschenbuch: 

Taschenbuchversion "Mords-Kaliber" 

Paperback
Verlag: EyeDoo Publishing
Verlagsnummer: 946201
ISBN: 978-3966988674
www.eyedoo.biz 

 

»Wilde« Recherche zum Lokalkrimi – über Bambi und Co.

 Im vorigen Blogartikel habe ich euch über die Hauptlocation von Krimi-Minnies zweitem Fall berichtet.

Aber wer ist eigentlich in diesem Buch das Opfer? 

2019 Bergtour TaubenseeOhne zu viel verraten zu wollen:
Es ist ein Jäger, und ich erzähle euch darüber etwas mehr, denn dieses Umfeld war auch für mich komplett neu.
Ein Film über die Wildschweinproblematik brachte mich darauf, der mir zeigte, dass ich ein sehr einseitiges Bild von wilden Rotten, Bambi und ihren »Bezwingern« hatte.
Natürlich weiß jeder, dass das Wild in Zaum gehalten werden muss, doch wie schwierig das teilweise ist, war mir nicht klar.

Ja, man sitzt lange auf einem Hochsitz und wartet oder pirscht durch die Wälder, bis man hoffentlich erfolgreich ist.

Neben den technischen Schwierigkeiten des Profis, das Wild in der richtigen Anzahl zu den erlaubten Zeiten zu erwischen, hat die Jägerschaft – Hegering – oder wer auch immer gerade zuständig ist, einiges mit den Anforderungen von außen zu tun. Die Politik stellt Regeln auf, und die Waldbesitzer und Landwirte nehmen den Jäger in die Pflicht, die Natur zu schützen. Das kann anstrengend und zeitraubend sein, besonders wenn die sich ständig vermehrenden Wildschweine ganze Felder umackern und der Bauer auf dem Verlust sitzen bleibt.

Zu viele Rehe bedeuten, dass junge Bäume an den Spitzen angeknabbert werden und nicht mehr wachsen. Heute arbeiten vor allem die sogenannten Öko-Jäger darauf hin, auf Natur und Wild gleichzeitig zu achten. Denn nur ein artenreicher Wald beherbergt artenreiches Wild, das wiederum für einen artenreichen Wald sorgt. Sie brauchen einander – und für das Gleichgewicht zwischen den »Parteien« und ihr produktives Miteinander sind Jäger und Förster zuständig.

Wald 11 12 53 ProNun zur Minnie:
In »Mords-Kaliber« geht es um einen ermordeten Jäger. Trotz viel Recherche mit Filmen zum Thema und den Websites von Hegering, Berufsfachschulen sowie von Firmen zum Verkauf von Jagdausstattung wollte ich mich nicht darauf verlassen, dass ich die richtigen Formulierungen schon finden werde. Wie immer machte ich mich also auf die Suche nach einem Profi und fand ihn mit Raffael, der Lehrer und im Privaten Öko-Jäger ist. In einem dreistündigen Skypetreffen löcherte ich ihn – schlechte Analogie zum Thema :-) – mit Fragen zu Kleidung, Waffe und Patronen, Jagdablauf, Jagdhundrassen und -erziehung, Weiterverarbeitung des erlegten Wildes, Pflichten und Rechte der Jäger, Spleens und persönliche Vorlieben bei der Jagd.
Denn ich hatte bereits einige Ideen, wie das ganz ablaufen sollte. Dank Raffael fand ich ein noch besseres Motiv, habe nun hoffentlich alles richtig formuliert und hatte jede Menge Spaß. Er nahm sich im Nachhinein auch die Zeit, die entsprechenden Texte nochmal zu korrigieren. Ich bin sehr dankbar für seine Hilfe!

Übrigens habe ich im Nachhinein festgestellt, dass es schon Regionalkrimis zum Thema gibt. Und damit gibt es sicherlich den ein oder anderen, der mir vielleicht vorwirft, abgekupfert zu haben. Nachdem mich aber zuerst das Thema und dann die Recherche fasziniert hat und mir erst bei der Titelsuche diese Erkenntnis kam, kann ich nur hoch und heilig schwören – ich habe wie üblich keinesfalls Ideenklau betrieben. Und wer die Minnie kennt, weiß, sie ermittelt anders als andere. Ich bin mir sicher, dass ihr auf jeden Fall euren Spaß haben und Spannung verspüren werdet.

Wald mit Bach 12 01 08 ProIch hoffe, ich habe euch neugierig gemacht:
Auf die Minnie, die mit Jäger und Hund durch den Wald schleicht.
Dabei wird ihr trotz der schönen Plätze dann ganz anders zumute.

Einmal sind mein Mann und ich beim Spaziergang übrigens fast in eine Treibjagd geraten. Wir trafen auf mit roten Bändern abgesperrte Bereiche und hörten dann Schüsse und Hundegebell. Wir haben uns ziemlich flott aus dem Staub gemacht – das kann ich euch sagen.

Hier nun eine kleine Leseprobe, die euch mitten ins Grüne führen soll. Das Buch selbst wird Anfang Juli erscheinen.

 

Gerade in der Wohnung angekommen, meldet sich der Gustl. Peter Lambrecht hat ihn angerufen, dass in der Nähe vom Hochsitz mehrere getötete Wildschweine gefunden wurden. Er wolle noch was anderes checken, danach aber dorthin nachkommen.

Er hat sich bereits überlegt, wie sein zweiter Ermittler-Dream-Team-Teil rechtzeitig vor Ort sein kann: »Du könntest mit dem Ludwig rüberfahren. Der macht sich in einer halben Stunde auf den Weg. Und dann fährst du mit mir wieder heim.«
Ein Waldspaziergang? Gerne, hoffentlich muss ich die armen Viecherl nicht anschauen. Neugierig bin ich trotzdem, und so steige ich kurz darauf zum Ludwig ins Auto, nachdem geklärt ist, dass Alex das Mittagessen besorgt. Hinten im Kofferraum, vorschriftsmäßig durch ein Netz gesichert, steht ein bildhübscher Hund, der mich schwanzwedelnd begrüßt.
»Dein Jagdhund?«, frage ich lächelnd, von dem hübschen Gesicht bezirzt.
»Ja, das ist der Champ.«
»Kein Poldi oder so?«
Ludwig lacht. »Gefällt dir ›Champ‹ ned? Er ist einfach so guad, dass er den Namen verdient hat.«
»Ein Irish Setter, oder? Sehr hübsch.«
Als wir losfahren, legt sich der hübsche und »guade« Kerl hin. »Ja, das sind super Allrounder und gute Vorstehhunde.«
»Ich versteh nur Bahnhof.«
»Ein Vorstehhund zeigt es seinem Jäger, wenn er ein Wild hört oder riecht, mit seiner Körperhaltung. Er hebt einen Fuß hoch, bleibt aber ganz staad.«
»Müssen ned alle Jagdhunde folgsam und staad sein, wenn der Jäger das sagt?«
»Ja, trotzdem gibt es Unterschiede bei den Rassen: Manche Hunde sind gut im Aufstöbern, also Aufscheuchen. Andere im Nachsuchen, und wieder andere jagen selbst für den Jäger. Mein Champ kann das alles gut – außer in einen Bau kriechen. Dazu ist er zu groß.«
Ich nicke, denn das leuchtet ein. Interessant, über so etwas habe ich noch nie nachgedacht. Dass es für verschiedene Jagdtechniken unterschiedlich geeignete Rassen gibt.
»Mit welchen Hunden jagt man Bären?« Die Frage kann ich mir nicht verkneifen.
Ludwig grinst und antwortet gemütlich, während er am Gymnasium vorbei den Berg hinauffährt. Natürlich hat der Profi eine Antwort. »Mit karelischen Bärenhunden oder Laikas. Das sind schlanke, schnelle Tiere, die für die Jagd im Norden passen. Oder mit einem Bluthund, der eine unglaublich gute Nase hat. Der schnüffelt auch oft für die Polizei, beispielsweise, wenn jemand vermisst wird.«
»Wie ist das bei dir mit den Arbeitszeiten?«, fragt er mich nun. Von Ludwig weiß ich, dass er einer der wenigen Auserwählten ist, der einen Job als staatlicher Revierjäger bekommen hat. Er kann seine Zeiten bestimmen, muss sich aber nach dem Wild beziehungsweise den günstigsten Jagdzeiten richten. Und nach den Anforderungen der Bauern und Anfragen anderer Jäger. Vermutlich ein Fulltime-Job. Den hab ich genaugenommen ebenfalls, bloß dass es eben mehrere Jobs sind. Ab Herbst fällt allerdings das Spülen im Roma weg, weil die Gäste weniger werden und die Gelateria im Winter ganz schließt. Ich genieße es, weil ich ein bisschen vorarbeiten kann, was Töpfern und Schreiben angeht. Das verstehen Menschen mit geregelten Arbeitszeiten nicht. Manche setzen es gleich mit Nichtstun.
»Ich wäre frei wie ein Vogel, wenn ich kein Geld bräuchte. Deshalb muss ich mich auch heute Nachmittag um den nächsten Auftrag kümmern.« »Du kriegst Aufträge?« Der Ton ist erstaunt, für mich nichts Neues.
»Ja, es gibt Menschen, die mögen Deko, die nicht von toten Tieren stammt. Die zahlen nur weniger als eure Trophäensammler.«
»Und was – äh – dekorierst du gerade?« Ich muss lachen, der hat noch weniger Ahnung von meinem Job als die meisten, und das heißt schon etwas. »Ich habe in der Ausstellung am vergangenen Wochenende einige Schweinderl verkauft.«
Er fängt an zu prusten.
»Und jetzt mache ich Alpakas.« »Al ...?«
Ihm laufen die Tränen über die Wangen.
Ich erkläre geduldig: »Alpakas gehören zur Rasse der Kamele und leben in den Anden.«
»Das weiß ich, Minnie. Ich muss für meinen Beruf jede Menge Tiere kennen. Auch wenn selten Alpakas durch unsere Wälder streifen. Die sind doch flauschig, und du arbeitest mit harten Materialien. Die Tochter unserer Nachbarin läuft dauernd mit so Kuscheltierzeugs rum. Ich glaube, die hat sogar Ratzefummel mit Alpakamotiv und Haarschleifen und so.«
»Ja, das ist grad voll in, deshalb mache ich Alpakas für ein Hoffest auf einem Alpaka-Hof.« Das Auto schlingert ein wenig bei seinem nächsten Lachkrampf, und ich schimpfe kräftig.
Das Lachen hat dem Ludwig gutgetan, aber nun wird er wieder ernst, als er auf den Anlass unseres Ausflugs kommt. »Diese toten Wildsauen, ich will wissen, wer das war. Das Revier meines Vaters ist noch nicht freigegeben. Wenn jemand schießen will – was die Wildsauen angeht, wäre es ja gut –, muss der es erst beim Grabmeier oder bei mir anfragen und kann nicht einfach anfangen herumzuballern.«
»Wäre es ein Jäger gewesen, hätte er die Tiere dann ned mitgenommen?«
Ludwig denkt eine Zeit lang drüber nach. »Ja, normalerweise ist es Verschwendung, die Tiere verrotten zu lassen. Außerdem steigt die Gefahr für Seuchenausbreitung, falls eins von denen einen Erreger in sich hätte.«
»Wie die Afrikanische Schweinepest?«
Er wird ein bisschen blass. »Ja, das wäre die schlimmste Variante.«
»Du glaubst, es war trotzdem ein Jäger?«
Er beißt einen Moment die Zähne zusammen, das sehe ich an den Kiefern. Dann stößt er hervor: »Ein Wilderer hätt’ sie sicher mitgenommen. Ein Bauer hätt sie verschwinden lassen. Es kann nur einer sein, der meinen Vater gehasst hat und zeigen will, was der erledigen hätt’ sollen. Also ein Jäger.«
Das klingt logisch. Und etwas gruselig für mich waffenlose Keramikerin. Und Ludwigs finstere Absichten machen es nicht besser. »Ich muss rausfinden, wer die Sauen umgebracht hat, Minnie. Denn der hat auch meinen Vater auf dem Gewissen.«
Wir fahren über Wiesenwege bis zu einem Waldrand und erreichen einen kleinen Parkplatz. Dort wartet Peter Lambrecht samt Hund und Wagen mit Anhänger. Der folgsame Champ verlässt den Kofferraum erst, als ihm Ludwig die Erlaubnis erteilt, trotz seiner sichtlichen Freude über die Anwesenheit von Burgi. Die Hunde toben über die Wiese, und die Männer schauen ihnen einen Augenblick lächelnd zu.
Dann nehmen sie die Waffen aus den Autos, und ich werde ein wenig nervös. Es ist doch ganz etwas anderes, eine Waffe im Film oder in echt zu sehen. Und so ein Gewehr wirkt massiver und gefährlicher als eine Pistole. Leben kosten können sie beide! Die Jäger hängen sich die Gewehre am Riemen über die Schulter, pfeifen ihre Hunde herbei, und wir betreten den Wald. Zunächst folgen wir einem befahrbaren Weg etwa eine Viertelstunde. Es ist wunderschön: die Lichtstimmung im Herbstwald, der Geruch nach modrigem Laub und Schwammerln. Es raschelt, aber die Hunde bleiben mit gespitzten Ohren und der Nase am Boden an der Seite ihrer Herrchen.
Dann biegen wir ab. Es ist kein Weg mehr vorhanden, zumindest auf den ersten Blick nicht. Nur eine schmale Fährte, als wäre jemand vor uns durchs hohe Gras gestreift. Wir umgehen Brombeerbüsche, klettern durch eine Senke, wo uns ein kleiner Hüpfer über den Bach bringt. Auf der anderen Seite wird wohl eben ein neuer Wald hochgezogen: Blaue Plastikklupperl stecken auf den Spitzen der Minifichten, um die Rehe am Abknabbern derselben zu hindern.
Hellgrünes Moos wird von den durch die hochgewachsenen, nadelarmen Bäume fallenden Sonnenstrahlen erhellt. Meine Fantasyseele würde sich jetzt hier gerne niederlassen und den Feen beim Tanzen zusehen. Ob ich nochmals hier an diesen Ort finde? Dann könnte ich mich ins Moos setzen und schauen und träumen und alles aufschreiben, was mir in den Sinn kommt.
Doch mit dem Träumen hat es sich im nächsten Moment erledigt, denn Champ gibt ein kurzes Bellen von sich, und Burgi zerrt an der Leine. Ludwig zeigt mir Spuren. »Das ist das typische Trittsiegel eines Wildschweins. Die zwei vorderen Hufschalen und die kleinen Afterklauen.« Es sieht eher aus wie ein Papageienschnabel, finde ich, nicke aber nur. Ludwig hat heute schon genug über mich gelacht. Wir treten auf eine große Lichtung, das Gras ist hier etwa einen halben Meter hoch.
Und am Ende der freien Fläche sehe ich ihn: den Hochsitz. Ich schlucke schwer. »Ludwig, ist das der Hochsitz ...«

Viel Vergnügen Eure Moni

Wollt ihr hinter die Kulissen gucken? 

Studenten der Uni Heidelberg/Amberg kamen im Dezember auf mich zu und fragten, ob ich bei einem Projekt mitmachen würde.
Das Thema: ein Blick hinter die Kulissen, warum ich schreibe und wie es abläuft. Wie ihr wisst, bin ich ein neugieriger Mensch, der zu so etwas sofort ja sagt.

Die talentierten Jungefilmemacher haben ein buntes Programm zusammengestellt. 
Sie wollten Genaueres wissen über die Arbeit, über den Hintergrund zu Job/Hobby, den Antrieb, den Aufwand und vieles mehr.

Dabei interviewten sie eine Musicaldarstellerin, einen Punkrock-Musiker, Mitglieder einer Freiwilligen Feuerwehr, drei Autorinnen und einen Künstler mit dem Flowerstick. Immer mit dem Focus, den Hintergrund des Hobbys oder der Arbeit zu beleuchten. Denn aus manchen Hobbys und Berufungen werden Berufe und/oder sie entwickeln einen Menschen innerlich weiter. So bei der Beschäftigung mit den Flowersticks, wo die Konzentration auf die Akrobatik und damit das Abschalten von der vielleicht unangenehmen Wirklichkeit ein wesentlicher Punkt für den interviewten jungen Mann war.
Ein Antrieb, der bei vielen Künstlern oft der Auslöser für Singen, Tanzen, Schreiben oder handwerklicher Kunst ist. Auch für mich bedeutete das Verdrängen und dabei Entspannen den Beginn meiner Autorentätigkeit.

Wie läuft die Vorbereitung eines Musicals und dann der Auftritt ab?

Was spürt ein Musiker auf der Bühne, wenn die Menge tobt?

Wie kommen Feuerwehrmänner mit Einsätzen zurecht, bei denen sie mit dem Tod konfrontiert werden? 

Nach dem Liveauftritt des zuvor im Studio befragten Musikers Mikeschreit sind dann die Autorinnen ab Minute 34.45 dran.
Zweimal Fantasy-Schriftstellerinnen mit Judith M. Brivulet und Alex Königsberger – und dann ich mit meiner "Autorendiversität" aus Fantasy, Liebesroman und Lokalkrimi.
Wie schon beim rfo-Interview wurden die Sequenzen trotz der deutlich längeren Interviewzeit sehr stark gekürzt. Aber die Sendung durfte ja auch nur gesamt eine halbe Stunde dauern. 
Beim Thema Vernetzung und Social Media durfte ich dann noch auf die liebgewonnene Gemeinschaft meines Autorenstammtischs hinweisen, die Rosenheimer Autoren.

Alex Königsberger berichtet im Studio in Amberg dann ausführlicher unter anderem über ihre Recherchen und das regelmäßige Schreiben. Eine interessantes Gespräch mit der jungen Kollegin. Hört mal rein.

Moderator Daniel führt professionell (und vermutlich nicht das erste Mal) durch die Sendung, Kollege Stefan probiert sogar das Flowerstick-Wirbeln aus.

Gesendet wurde am 16. Januar, aber natürlich ist das Video bei YouTube noch anzusehen. (Nicht irritieren lassen,  es beginnt bei Minute 20.25) Hier geht’s zum YouTube-Video.

Viel Vergnügen

Eure Moni

Spannende Location für Krimi-Minnies zweiten Fall

wasserburger bierkeller 005 Es ist Januar und saukalt: -7 Grad. Und wo gehen wir hin, um uns zu wärmen?
In die Wasserburger Bierkatakomben, die ehemaligen Sommerbierkeller, in denen es +7 Grad hat, also praktisch warm ist.
Es ist Corona-Lockdown, und ich habe schon einige Wochen darauf gewartet, dass es wieder Führungen gibt. Denn es wird eine wichtige Location für Teil 2 der Krimi-Minnie. Doch der Lockdown wird verlängert und ich hätte gern einen persönlichen Eindruck:
»Alle Sinne!« steht auf dem Zettel an meinem Monitor. Und was ich mit denen aufnehme, will ich meinen Lesern ja vermitteln.

Auf meine Anfrage unter dem Kontakt der Gruppe, die hier die Führungen organisiert, habe ich Glück. Witgar Neumaier jun., seines Zeichens engagierter Kellerfreund und Vorsitzender, Bierkellerführer und praktischerweise auch noch Kriminaler, bietet mir als Trost eine persönliche coronakonforme Führung an.
So rücken mein Mann, mein Sohn und ich an einem mal wieder nebligen Sonntagvormittag an, um die beeindruckenden Gewölbe zu betreten, die ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entstanden sind und in denen bis 1994 Bier gebraut wurde.

wasserburger bierkeller 004Ich hatte mich natürlich vorher informiert: Passt der Ort für meine Zwecke? Und was ist das Besondere daran? Das Geschichtliche interessiert mich sowieso. 

Witgar macht keine gewöhnliche Führung für uns – seine Infos und Tipps sind auf die Minnie, meine nächste Geschichte und den kriminalistischen Hintergrund zugeschnitten. Also perfekt!

Ich würde euch gerne alles genau erzählen, aber damit Spoileralarm auslösen. Was die Minnie dort erlebt, könnt ihr noch in diesem Sommer im zweiten Band meiner Reihe nachlesen. Stattdessen berichte ich euch ein bisserl was zu den Bierkatakomben, um euch »hineinfühlen« zu lassen.

Die kleine bescheidene Tür hinter dem Parkhaus an der Kellergasse lässt nicht vermuten, was sich dahinter verbirgt: große Räume in den Berg gehauen, unterhalb der Aussicht – dem berühmten Fotomotiv. Es gibt riesige Fässer und Bierbottiche, Werkzeuge, mit deren Einsatz Eis zum Kühlen herangeschafft wurde. Meist vom Staudhamer Weiher, einem beliebten Badesee bei Reitmehring, wo es mit Sägen, Pickeln und Haken herausgeschnitten oder -gehackt und dann aufgeladen wurde.

wasserburger bierkeller 012Wer sich in Wasserburg auskennt, weiß, dass dieser See Richtung München oberhalb des Inntals liegt. Die Fuhrwerke mussten also im Winter mit der schweren eisigen Last den Berg zur Stadt hinunter, durch diese hindurch und über die Brücke fahren. Anschließend schütteten und schaufelten die Männer das Eis um und auf die Fässer zum Kühlen des Biers. 

Das Eis war nötig, denn um die Qualität zu gewährleisten, hatte der Kurfürst das Brauen während des Sommers untersagt. Und der Bayer will nicht ewig auf sein Bier verzichten. So wurde im Winter auf Vorrat gebraut und gekühlt, um im Sommer möglichst lange das gezapfte und später in Flaschen abgefüllte Getränk genießen zu können. wasserburger bierkeller 045
Bei 2500 Einwohnern konnte Wasserburg damals mit 15 Brauereien aufwarten. Eine respektable Zahl!

Perfekt war die Bodenbeschaffenheit am Innufer, bestehend aus einem wasserundurchlässigen Sand-Kies-Gemisch, die ein Aushöhlen des Berges erleichterte. Die Gewölbe wurden mit Ziegel ausgemauert und stabilisiert, Lüftungsschächte und Personalgänge (auf gut bairisch nach heutigen Sicherheitsanforderungen »vogelwuid«) angelegt.

wasserburger bierkeller 077Eine kuriose Bemerkung unseres Fachmanns zum Eis, das damals zudem in Wurstwaren und im Bier verwendet wurde: »Da waren Blätter drin und vielleicht sogar mal ein Frosch. Jede Wurst hatte ihren ganz besonderen Geschmack.«
Beim Wasserburger Kellerleben wurden die Würste und das Bier vor Ort verkauft. Es ging lustig, zünftig und manchmal auch ein wenig grob zu. So nach und nach stellten immer mehr Brauereien ihre Arbeit oder zumindest das Brauen und Lagern in den Sommerkellern ein.

wasserburger bierkeller 092Noch vor dem Bau des Parkhauses widmete sich Witgar Neumaier sen. 1996 der Erforschung, Erfassung und dann mit den Kellerfreunden der Begehbarkeit der Anlagen.

Heute ist es ein Museum im Besitz der Stadt, und die Kellerfreunde gehören zum historischen Heimatverein. Viel persönliches ehrenamtliches Engagement war die Grundlage der Arbeiten und ist heute noch der Motor, der es Interessierten möglich macht, die Keller zu bestaunen.

Übrigens der Fußabdruck rechts im Schimmel auf dem Katzenkopfpflaster spielt eine wichtige Rolle im Buch. 

Neben der Pflege und Reinigung wurde ein Film mit nachgestellten Sequenzen aus der damaligen Zeit gedreht, der vor den Führungen gezeigt wird. In der zugehörigen Broschüre sind auch Schriften abgedruckt wie beispielsweise die Einladung zu einer »Abendunterhaltung mit Musik zur Goldenen Hochzeit Seiner Majestät des deutschen Kaisers«.

Ich hoffe, ich habe euch neugierig gemacht:
Auf die Minnie, die in diesen Gewölben mit Taschenlampe und Kerze unterwegs ist und ihre Nase diesmal in Bierfässer steckt. Glücklicherweise ohne Alkohol, denn ihr wisst, sie verträgt einfach nicht viel, die Minnie.
Und auf die Bierkatakomben von Wasserburg: Schaut unbedingt mal in diese Gewölbe und schnuppert bayerische Biergeschichte, dazu rund 45 Minuten Zeit und warme Kleidung mitbringen! Die Führungen kann man online auf der Website der Bierkatakomben buchen. 

Außerdem suchen die Kellerfreunde Nachwuchs in ihren Reihen: geschichtlich interessierte Menschen, die gerne Führungen machen und diese Örtlichkeiten mitpflegen helfen. E-Mail-Kontakt: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Viel Vergnügen

Eure Moni

Quellen: Neben den Erkenntnissen aus der Führung von Witgar Neumaier jun. habe ich mit freundlicher Genehmigung kurzgefasste Inhalte aus der von ihm und seinem Vater herausgegebenen Broschüre verwendet.

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